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19. September 2026 · 6 min Lesezeit

Analysenspezifikationen: Zahlen zu Entscheidungen machen

Ein Ergebnis ist nur eine Zahl, bis es mit einem Bereich verglichen wird. Wie SENAITE-Spezifikationen gültige Bereiche und Toleranzzonen festlegen, wie sie an eine Probe kommen und warum eine spätere Änderung alte Ergebnisse nicht umschreibt.

Analysenspezifikationen: Zahlen zu Entscheidungen machen

42 mg/L Nitrat sind in einer Abwassereinleitung in Ordnung und im Trinkwasser ein Problem. Die Zahl allein entscheidet nichts. In SENAITE übernimmt den Vergleich eine Spezifikation: ein Satz von Bereichen, einer pro Analyse, der dem Labor sagt, ob ein Ergebnis im Bereich liegt, nahe an der Grenze oder außerhalb.

Eine Spezifikation pro Probenart

Spezifikationen finden Sie unter Setup, Analysenspezifikationen. Jede gehört zu genau einer Probenart und listet die Analyseleistungen auf, für die sie Bereiche festlegt. Ein Wasserlabor hat typischerweise eine für Trinkwasser, eine für Abwasser und eine für Oberflächenwasser, weil derselbe Parameter jeweils gegen andere Grenzwerte geprüft wird.

Für jede Leistung in der Spezifikation lässt sich festlegen:

FeldBedeutung
Min, MaxDer gültige Bereich. Eines von beiden darf für einen offenen Bereich leer bleiben.
Min Operator, Max OperatorOb die Grenze selbst noch im Bereich liegt (>=, <=, die Vorgabe) oder nicht (>, <).
Min warn, Max warnDie äußeren Ränder der Toleranzzonen, siehe unten.
< Min, > MaxEin Wert, der statt des Ergebnisses angezeigt wird, wenn es darunter oder darüber liegt, etwa < 8.
Kommentar außerhalb des BereichsEin Hinweis, der im Bericht erscheint, wenn das Ergebnis außerhalb liegt.

Es gibt keine “Panik”-Stufe und keinen Zielwert. Ein Ergebnis liegt im Bereich, in einer Toleranzzone oder außerhalb.

In der deutschen Oberfläche heißen die Warnfelder derzeit “Hinweisen auf min.” und “Hinweisen auf max.”; gemeint sind dieselben Felder.

Toleranzzonen

Die Toleranzzonen (im Englischen “shoulders”) liegen außerhalb des gültigen Bereichs. Min warn muss kleiner sein als Min, Max warn größer als Max:

        min                                                   max
        warn            min                   max             warn
·········|---------------|=====================|---------------|·········
----- out-of-range -----><----- in-range ------><----- out-of-range -----
         <-- shoulder --><----- in-range ------><-- shoulder -->

Ein Ergebnis in einer Toleranzzone liegt außerhalb des Bereichs, SENAITE markiert es aber mit einer Warnung statt mit dem harten Alarm. Labore nutzen das für Werte, die die Grenze um weniger überschreiten, als die Methode auflösen kann, oder für eine mit dem Kunden vereinbarte Toleranz. Bleiben die Warnfelder leer, gibt es keine Toleranzzonen: Alles außerhalb von Min und Max ist schlicht außerhalb.

Die Toleranzzone ist eine feste Zahl, die Sie eintragen. SENAITE leitet sie nicht aus der Messunsicherheit ab. Lautet Ihre Regel “außerhalb erst, wenn die Grenze um mehr als die Unsicherheit überschritten ist”, gehört diese Spanne in die Warnwerte.

Wie eine Spezifikation an eine Probe kommt

Im Registrierungsformular bietet das Feld Spezifikation die Spezifikationen der gewählten Probenart an. Spezifikationen lassen sich auch innerhalb eines Kunden anlegen; diese werden nur für die Proben dieses Kunden angeboten, neben denen des Labors. So bekommt ein Kunde mit strengeren vertraglichen Grenzwerten eigene Bereiche, ohne andere zu beeinflussen.

Wird eine Spezifikation zugewiesen, kopiert SENAITE ihre Bereiche in die Probe und ihre Analysen. Ab dann tragen die Analysen ihre eigenen Bereiche. Daraus folgt zweierlei:

Änderungen im Setup schreiben die Geschichte nicht um. Verschärft eine Behörde einen Grenzwert und Sie ändern die Spezifikation, behalten Proben, die sie schon haben, die alten Bereiche. Ihre Ergebnisse bleiben nach den Regeln bewertet, die bei der Messung galten. Neue Proben bekommen die neuen Bereiche.

Eine andere Spezifikation ersetzt die Bereiche. Wählen Sie an einer offenen Probe eine andere Spezifikation, gelten deren Bereiche für die Probe und ihre Teilproben, solange diese noch bearbeitet werden dürfen. Verifizierte oder veröffentlichte Teilproben behalten ihre.

Analysen einer Trinkwasserprobe. Nitrate 62.00 mg/L gegen den Bereich <=50 und pH als < 6.5 gegen [6.5;9.5], beide mit Symbol für außerhalb des Bereichs; Conductivity 410 innerhalb von <=2500.
Eine Probe mit der Trinkwasserspezifikation. Nitrat liegt über dem Maximum, das pH-Ergebnis wird durch den Wert < Min der Spezifikation ersetzt.

Bereiche direkt an der Probe

Für Einzelaufträge kann ein Labor Bereiche direkt in die Analysen einer Probe eintragen, statt eine Spezifikation auszuwählen. Dafür muss Probenspezifikationen erlauben im Reiter Analysen des Setups eingeschaltet sein. Nutzen Sie das sparsam: Von Hand eingetragene Bereiche werden nirgends wiederverwendet, und später fragt sich leicht jemand, woher ein Grenzwert kam.

Braucht derselbe Parameter je nach Probenahmestelle, Methode oder einem anderen Merkmal unterschiedliche Bereiche, ist eine dynamische Spezifikation das sauberere Werkzeug: eine Tabelle, die an einer gewöhnlichen Spezifikation hängt und deren Bereiche Zeile für Zeile überschreibt.

Ein durchgespieltes Beispiel

Eine Spezifikation für Trinkwasser:

LeistungMinMaxMax warnKommentar
pH6,59,5
Nitrat (mg/L)5052Grenzwert der Trinkwasserverordnung
Trübung (NTU)1
E. coli (KBE/100 mL)0

Ein Nitratergebnis von 50 liegt im Bereich, weil der voreingestellte Operator die Grenze einschließt. 51,2 liegt in der Toleranzzone und bekommt eine Warnung. 58 liegt außerhalb, und der Bericht druckt den Kommentar darunter. Ein pH von 9,7 liegt außerhalb ohne Toleranzzone, da keine definiert ist.

Stolperfallen aus unseren Workshops

Geprüft wird das gespeicherte Ergebnis, nicht die gerundete Anzeige. Bei einer Dezimalstelle Genauigkeit erscheint ein Nitratergebnis von 50,04 als 50,0, liegt aber gegen ein Max von 50 mit <= außerhalb. Erfassen Sie Ergebnisse in der Genauigkeit, die Sie berichten, oder legen Sie die Grenze mit Blick auf die Genauigkeit fest.

Max warn unter Max. Toleranzzonen wirken nur außerhalb des gültigen Bereichs. Ein Warnwert innerhalb erzeugt keine Frühwarnung.

Die Spezifikation ändern und erwarten, dass offene Proben folgen. Das tun sie nicht. Weisen Sie die Spezifikation an den Proben neu zu, die die neuen Bereiche bekommen sollen.

Eine Spezifikation für jeden Kunden. Kundenspezifikationen sind für echte vertragliche Unterschiede da. Teilen die meisten Kunden die Bereiche des Labors, bleibt es bei einer Spezifikation, und Kundenspezifikationen kommen nur dazu, wo der Vertrag es verlangt.

Spezifikationen bewerten nur eine Zahl, die schon da ist. Wie diese Zahl erfasst wird, frei oder aus einer festen Liste, entscheidet die Leistung; siehe Ergebnisoptionen und Messunsicherheiten.

Zwei Personen prüfen Notizen auf Papier neben einem Laptop

Bringen Sie das in Ihr Labor

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